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Umschulung wegen Krankheit: mein Weg aus der Stahlindustrie

Mit 16 habe ich in der Stahlindustrie angefangen, mit 30 war Schluss. Dazwischen lagen 15 Jahre, zwölf davon direkt an der Anlage, eine abgeschlossene Meisterschule und am Ende mehrere Bandscheibenvorfälle mit einer Notoperation.

Was dann kam, war eine Umschulung zum Informatikkaufmann, finanziert von der Deutschen Rentenversicherung. Diese Seite beschreibt, wie dieser Weg abläuft, was er verlangt und woran er scheitern kann.

Was eine Reha-Umschulung ist

Eine Umschulung wegen Krankheit ist eine berufliche Neuqualifizierung für Menschen, die ihren erlernten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können. Rechtlich ist sie eine Leistung zur beruflichen Bildung und damit Teil der beruflichen Rehabilitation, im Rahmen der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Kostenträger ist meist die Deutsche Rentenversicherung, bei Arbeitsunfall oder Berufskrankheit die Unfallversicherung. Die Maßnahme dauert in der Regel zwei Jahre und endet mit einem regulären Kammerabschluss vor IHK oder Handwerkskammer. Während dieser Zeit wird Übergangsgeld gezahlt, Lehrgangs- und Prüfungskosten übernimmt der Träger. Eine Altersgrenze gibt es nicht, geprüft wird die berufliche Eingliederung. 2024 wurden 21.155 Leistungen zur beruflichen Bildung abgeschlossen (Deutsche Rentenversicherung).

Was geprüft wird, bevor bewilligt wird


Bevor eine Umschulung bewilligt wird, prüft der Träger drei Fragen, und zwar in dieser Reihenfolge.

Ist die Erwerbsfähigkeit gefährdet oder gemindert? Das ist die medizinische Frage. Sie wird über den ärztlichen Befundbericht und gegebenenfalls ein Gutachten beantwortet. Entscheidend ist die Auswirkung auf die Arbeit, nicht die Diagnose an sich. Ein Bandscheibenvorfall allein sagt wenig, die Kombination aus Vorfall, Operation und einer Tätigkeit mit schwerem Heben sagt viel.

Lässt sich der bisherige Beruf noch retten? Der Erhalt des Arbeitsplatzes steht vor dem Wechsel. Geprüft werden technische Arbeitshilfen, ein Umbau des Arbeitsplatzes und eine Umsetzung innerhalb des Betriebs. Erst wenn all das ausscheidet, kommt eine Umschulung in Betracht.

Sind die versicherungsrechtlichen Bedingungen erfüllt? In der Regel 15 Jahre Wartezeit in der Rentenversicherung. Alternativ genügt der Bezug einer Erwerbsminderungsrente, eine ohne die Leistung fällige Erwerbsminderungsrente oder der unmittelbare Anschluss an eine medizinische Reha (§ 11 SGB VI). Für die Wartezeit zählen auch Kindererziehungszeiten und freiwillige Beiträge.

Wer diese Reihenfolge kennt, schreibt einen anderen Antrag. Die häufigste Rückfrage betrifft selten die Krankheit. Sie betrifft die Frage, warum der alte Arbeitsplatz nicht zu halten war. Wer das im Antrag schon beantwortet, spart eine Runde.

Der Weg in fünf Etappen


  • Der Bruch. Bei mir kam er als Notoperation, bei anderen als schleichende Verschlechterung über Jahre. Beides führt an denselben Punkt: Der Arzt sagt, dass es so nicht weitergeht, und der Beruf, den man kann, ist der Beruf, den man nicht mehr darf.
  • Die Prüfung, ob es wirklich sein muss. Bevor eine Umschulung bewilligt wird, prüft der Träger, ob der bisherige Arbeitsplatz mit technischen Hilfen oder einer Umsetzung im Betrieb zu halten wäre. Diese Reihenfolge steht im Gesetz. Wer sie kennt, argumentiert im Antrag anders.
  • Die Richtungsentscheidung. Steht fest, dass ein Wechsel nötig ist, folgt die Frage nach dem Zielberuf. Wenn die Richtung offen ist, gibt es eine Abklärung der beruflichen Eignung, oft in einem Berufsförderungswerk.
  • Die zwei Jahre. Eine Reha-Umschulung ist auf zwei Jahre verkürzt, gegenüber drei Jahren regulärer Ausbildung. Der Stoff bleibt derselbe. Das ist der Teil, den viele unterschätzen, gerade nach Jahren ohne Schule.
  • Der Abschluss und danach. Am Ende steht dieselbe Prüfung wie bei jedem anderen Auszubildenden, vor derselben Kammer. Im Zeugnis steht später nicht, dass es eine Reha-Umschulung war.

Das Praktikum entscheidet mehr als die Note


In fast jeder schulischen Reha-Umschulung steckt ein mehrmonatiges Betriebspraktikum, meist im zweiten Jahr und oft drei bis fünf Monate lang. Bei einer betrieblichen Umschulung entfällt es, weil der Betrieb von Anfang an der Lernort ist. Auf dem Papier ist es ein Ausbildungsbestandteil. In der Praxis ist es die eigentliche Bewerbungsphase.

Wer den Praktikumsbetrieb nach Wohnortnähe aussucht, macht es sich bequem. Wer ihn danach aussucht, ob dort später eine Stelle entstehen könnte, hat am Ende der Umschulung einen Ansprechpartner. Die Einrichtungen vermitteln Plätze, man darf aber eigene Vorschläge machen, und genau das lohnt sich.

Was in den Broschüren fehlt


Zwei Dinge, die in Broschüren selten stehen.

Das Lernen ist ungewohnt. Ich saß mit Anfang 30 neben 20-Jährigen im Klassenraum. Die konnten auswendig lernen, ich nicht mehr in dem Tempo. Dafür konnte ich Dinge einordnen, weil ich 15 Jahre Betrieb kannte. Beides gleicht sich aus, aber nicht in den ersten Wochen.

Der Kopf braucht länger als der Rücken. Der Körper hatte nach der Operation eine klare Prognose. Die Frage, wer man ohne den alten Beruf eigentlich ist, hat deutlich länger gebraucht. Das ist normal und kein Zeichen dafür, dass die Entscheidung falsch war.

Wie die ersten Wochen nach der Diagnose abliefen, steht in meinem Erfahrungsbericht zum Bruch im alten Beruf. Was am Ende geholfen hat, war unspektakulär: ein konkretes Berufsziel, eine Ansprechpartnerin im Berufsförderungswerk, die nachgefasst hat, wenn beim Träger etwas liegen blieb, und die Bereitschaft, den ersten Job nach der Umschulung nicht als Endpunkt zu sehen.

Häufige Fragen zur Umschulung wegen Krankheit


Wer zahlt eine Umschulung wegen Krankheit?

Meist die Deutsche Rentenversicherung als Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben. Bei Arbeitsunfall oder Berufskrankheit die gesetzliche Unfallversicherung, sonst die Agentur für Arbeit. Details unter Umschulung über die Rentenversicherung.

Wie lange dauert eine Reha-Umschulung?

In der Regel zwei Jahre, gegenüber drei Jahren regulärer Ausbildung. Dauert die reguläre Ausbildung länger als drei Jahre, sind längere Maßnahmen möglich, üblicherweise zwei Drittel der normalen Ausbildungszeit.

Welchen Abschluss bekomme ich?

Denselben wie in einer regulären Ausbildung, meist vor der IHK oder der Handwerkskammer. Aus dem Zeugnis geht nicht hervor, dass es eine Reha-Umschulung war.

Bin ich während der Umschulung abgesichert?

Ja. Es wird Übergangsgeld gezahlt, und du bleibst in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung versichert. Die Beiträge trägt der Rentenversicherungsträger.

Gibt es eine Altersgrenze für eine Umschulung wegen Krankheit?

Keine gesetzliche. Geprüft wird, ob die berufliche Eingliederung noch zu erreichen ist. Mehr dazu unter Umschulung mit 40.

Matthias Skaletz

Geschrieben von Matthias Skaletz

2017 hat ein Bandscheibenvorfall meinen Beruf in der Stahlindustrie beendet, nach 15 Jahren, zwölf davon direkt an der Anlage. Danach kamen drei Monate Reha-Vorbereitung im Berufsförderungswerk Oberhausen und eine von der Rentenversicherung finanzierte Umschulung zum Informatikkaufmann, die ich betrieblich gemacht habe. Heute arbeite ich im Projektmanagement. Was mir damals gefehlt hat, schreibe ich hier auf. Mehr über mich.

Stand 2026, keine Rechtsberatung. Über deinen Fall entscheidet dein Träger. Kostenlose Reha-Beratung der Deutschen Rentenversicherung: 0800 1000 4800.

Berufliche Reha, Übergangsgeld und Umschulung

Ich bin Matthias. 2017 hat mir ein Bandscheibenvorfall den Beruf genommen. Hier stehen die Anträge, Fristen und Träger, die auf dem Weg zurück ins Arbeitsleben eine Rolle spielen.

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