Umschulung: welche Berufe sind gefragt?
Die Frage nach dem Zielberuf kommt früher, als man denkt. Sie steht in der Anlage zum Antrag, und eine unklare Antwort führt zuverlässig zu einer Rückfrage.
Diese Seite sortiert die Frage anders als die üblichen Ranglisten. Nicht der Beruf mit dem höchsten Verdienst ist der richtige, gefragt ist der, der zu deinen Einschränkungen passt und auf dem Arbeitsmarkt eine Perspektive hat.
Der Rahmen
Bei einer Umschulung wegen Krankheit ist jeder anerkannte Ausbildungsberuf möglich, sofern er medizinisch geeignet und beruflich sinnvoll ist. Eine feste Liste geförderter Berufe existiert nicht. Der Träger prüft drei Dinge: ob der Beruf zu deinen gesundheitlichen Einschränkungen passt, ob du ihn fachlich und intellektuell bewältigen kannst, und ob die berufliche Eingliederung danach wahrscheinlich ist. Häufige Zielberufe bei körperlichen Einschränkungen liegen im kaufmännischen Bereich, in der Verwaltung, in der IT und in technischen Innendiensttätigkeiten. Die Eignung wird bei offener Richtung in einer Abklärung der beruflichen Eignung festgestellt, die je nach Umfang wenige Tage bis mehrere Wochen dauert. Die Umschulung endet mit einem regulären Kammerabschluss.
Von der Einschränkung zum Berufsfeld
Der Ausgangspunkt ist die Einschränkung, nicht der Wunschberuf. Aus ihr ergibt sich, was wegfällt und was bleibt.
Rücken, Gelenke, schweres Heben. Weg fallen Tätigkeiten mit Lastenhandhabung, Zwangshaltungen und langem Stehen. Es bleiben sitzende oder wechselnde Tätigkeiten: kaufmännische Berufe, Verwaltung, IT, technische Innendienste wie Bauzeichnen oder technisches Produktdesign.
Atemwege, Haut, Allergien. Weg fallen Stäube, Dämpfe, Feuchtarbeit. Es bleiben Bürotätigkeiten und Berufe ohne Gefahrstoffkontakt.
Psychische Erkrankungen. Hier zählt weniger die Körperhaltung als die Belastungsstruktur: Schichtdienst, hohe Taktung und ständiger Publikumsverkehr sind oft problematisch, planbare Aufgaben mit klaren Abläufen eher tragfähig.
Sehen und Hören. Für stärkere Einschränkungen gibt es spezialisierte Einrichtungen. Von den 28 Berufsförderungswerken haben sich mehrere auf bestimmte Behinderungen ausgerichtet.
Welche Umschulung passt zu mir?
Passend ist eine Umschulung, wenn drei Dinge zusammenkommen: Der Beruf ist mit deinen gesundheitlichen Einschränkungen dauerhaft ausübbar, du bringst die fachlichen Voraussetzungen mit, und am Arbeitsmarkt besteht Bedarf. Die eigene Neigung gehört dazu. Wer zwei Jahre lernt und danach Jahrzehnte in dem Beruf arbeitet, sollte wissen, womit er täglich zu tun haben will.
Diese Frage stellt sich früher, als der Antrag sie verlangt. Im Formular genügt ein begründeter Berufswunsch, für die zwei Jahre danach genügt er nicht. Es hilft, vorher zu sortieren, womit du arbeiten willst: mit Menschen, mit Daten, mit Technik oder mit Sprache. Diese Richtung überdauert einen einzelnen Berufstitel und trägt auch dann noch, wenn der Wunschberuf an der Eignung scheitert. Warum ich im Rückblick genau hier ansetzen würde, steht in meinem Beitrag darüber, was ich heute anders machen würde.
Vier Bereiche, die häufig vorkommen
Vier Bereiche tauchen bei Reha-Umschulungen besonders häufig auf. Das sagt nichts über deine persönliche Eignung, es beschreibt nur, wo die Wege üblicherweise hinführen.
- Kaufmännisch und Verwaltung. Kaufleute für Büromanagement, Industriekaufleute, Sozialversicherungsfachangestellte, Verwaltungsfachangestellte. Breiter Arbeitsmarkt, viele Einsatzorte, überwiegend sitzende Tätigkeit.
- IT. Fachinformatik in den Fachrichtungen Anwendungsentwicklung und Systemintegration. Anspruchsvoll im Lernaufwand, aber mit guter Nachfrage. Wer noch nie programmiert hat, sollte das vor der Entscheidung ausprobieren.
- Technische Innendienste. Bauzeichnen, technisches Produktdesign, Mediengestaltung. Oft ein guter Anschluss für Menschen aus handwerklichen oder gewerblichen Berufen, weil die Fachsprache vertraut bleibt.
- Gesundheit und Soziales in entlasteter Form. Medizinische Fachangestellte, Praxismanagement, Diätassistenz. Sinnvoll für Menschen aus Pflegeberufen, die im Feld bleiben wollen, aber die körperliche Belastung nicht mehr tragen.
Drei Prüfungen vor der Entscheidung
Drei Prüfungen, bevor du dich festlegst.
- Ausprobieren, nicht ausdenken. Ein Praktikum oder eine Arbeitserprobung sagt mehr als jede Berufsbeschreibung. Die Abklärung der beruflichen Eignung ist genau dafür da, und sie ist Teil der Leistung.
- Den Arbeitsmarkt in deiner Region ansehen. Ein Beruf, der bundesweit gesucht wird, nützt wenig, wenn es im Umkreis von 50 Kilometern drei Arbeitgeber gibt. Die Stellenbörse der Bundesagentur zeigt das in wenigen Minuten.
- Die Belastung realistisch einschätzen. Auch Bürojobs haben körperliche Anforderungen, vor allem langes Sitzen. Wer Rückenprobleme hat, sollte klären, ob ein höhenverstellbarer Arbeitsplatz möglich ist. Solche Hilfen gehören zu den Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.
Drei Fehler bei der Berufswahl
- Den Beruf nach dem Gehalt wählen. Verdienstranglisten aus dem Netz stammen meist von Bildungsanbietern und beschreiben Idealfälle. Für die Bewilligung zählt die Eingliederung, nicht die Gehaltsstufe. Und ein gut bezahlter Beruf, der körperlich doch nicht passt, endet in der zweiten Umschulung.
- Den alten Beruf zu schnell abschreiben. Oft liegt das Problem nicht im Beruf, es liegt in einer einzelnen Tätigkeit darin. Ein Elektriker, der nicht mehr auf Leitern steigen kann, ist im Innendienst, in der Arbeitsvorbereitung oder im technischen Einkauf weiterhin einsetzbar. Diese Wege sind kürzer als eine vollständige Umschulung.
- Die Lernanforderung unterschätzen. Zwei Jahre Reha-Umschulung enthalten den Stoff von drei Jahren regulärer Ausbildung. Wer 15 Jahre nicht in einem Klassenraum saß, braucht die ersten Monate, um wieder hineinzufinden. Das ist normal, sollte aber bei der Wahl eines besonders theorielastigen Berufs mitgedacht werden.
Häufige Fragen zur Berufswahl
Welche Berufe werden bei einer Umschulung gefördert?
Grundsätzlich jeder anerkannte Ausbildungsberuf, wenn er medizinisch geeignet und beruflich sinnvoll ist. Eine feste Liste gibt es nicht. Entscheidend sind gesundheitliche Eignung, fachliche Bewältigbarkeit und die Aussicht auf Eingliederung.
Welcher Beruf passt bei Rückenproblemen?
Tätigkeiten ohne Lastenhandhabung und Zwangshaltungen. Häufige Wege sind kaufmännische Berufe, Verwaltung, IT und technische Innendienste. Wichtig ist, dass auch beim neuen Beruf langes Sitzen bedacht wird.
Kann ich den Beruf frei wählen?
Du kannst einen Wunsch nennen und begründen. Der Träger prüft die Eignung und die Aussicht auf Eingliederung. Ein benannter Beruf mit Begründung ist deutlich belastbarer als eine allgemeine Angabe.
Wie finde ich heraus, was zu mir passt?
Über eine Abklärung der beruflichen Eignung mit Tests, Beratung und Arbeitserprobung. Sie dauert je nach Umfang wenige Tage bis mehrere Wochen und findet oft in einem Berufsförderungswerk statt.
Zählt der Verdienst bei der Bewilligung?
Nicht in erster Linie. Geprüft wird die Eingliederung in den Arbeitsmarkt, nicht die Gehaltshöhe. Ein Beruf mit realistischer Perspektive wird eher bewilligt als einer mit hohem Verdienst und schmalem Arbeitsmarkt in deiner Region.

Geschrieben von Matthias Skaletz
2017 hat ein Bandscheibenvorfall meinen Beruf in der Stahlindustrie beendet, nach 15 Jahren, zwölf davon direkt an der Anlage. Danach kamen drei Monate Reha-Vorbereitung im Berufsförderungswerk Oberhausen und eine von der Rentenversicherung finanzierte Umschulung zum Informatikkaufmann, die ich betrieblich gemacht habe. Heute arbeite ich im Projektmanagement. Was mir damals gefehlt hat, schreibe ich hier auf. Mehr über mich.
Stand 2026, keine Berufsberatung im rechtlichen Sinn. Welcher Beruf im Einzelfall bewilligt wird, entscheidet dein Träger nach der Prüfung deiner Unterlagen. Die Reha-Beratung der Deutschen Rentenversicherung erreichst du kostenlos unter 0800 1000 4800.
Weiter: Umschulung wegen Krankheit, Umschulung mit 40 und Berufsförderungswerk.