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Übergangsgeld: wovon du während der beruflichen Reha lebst

Als klar war, dass ich meinen Beruf nicht mehr ausüben kann, war meine erste Frage nicht, welche Umschulung zu mir passt. Sie war viel banaler: Wovon bezahle ich im nächsten Monat die Miete. Eine Umschulung dauert zwei Jahre, und in dieser Zeit arbeitet man nicht.

Die Antwort heißt Übergangsgeld. Es ist die Leistung, von der du während einer beruflichen Reha lebst. Sie kommt nicht automatisch, du musst sie beantragen, und wie hoch sie ausfällt, hängt an einer Frage, die viele überrascht: wie lange dein letzter Job her ist.

Was Übergangsgeld ist

Übergangsgeld ist eine Lohnersatzleistung, die deinen Lebensunterhalt sichert, während du an einer beruflichen Reha teilnimmst. Im Gesetz gehört es zu den ergänzenden Leistungen bei Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Gezahlt wird es meist von der Deutschen Rentenversicherung, je nach Ursache auch von der gesetzlichen Unfallversicherung oder der Agentur für Arbeit. Die Berechnungsgrundlage sind 80 Prozent deines letzten Bruttoarbeitsentgelts, höchstens jedoch dein Nettoverdienst. Davon bekommst du 68 Prozent, mit einem Kind mit Kindergeldanspruch 75 Prozent (§ 66 SGB IX). Liegt deine letzte Beschäftigung mehr als drei Jahre zurück, wird stattdessen ein fiktives Arbeitsentgelt nach deiner Qualifikation angesetzt. Übergangsgeld ist steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Anspruch besteht nur, wenn die Maßnahme bewilligt ist, du sie nicht berufsbegleitend absolvieren kannst und vor Beginn Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt wurden. Gezahlt wird für die gesamte Dauer der Maßnahme, bei einer Umschulung also in der Regel zwei Jahre. Beantragen musst du es selbst, es ist ein eigener Abschnitt im Reha-Antrag.

Wer Anspruch auf Übergangsgeld hat


Drei Dinge müssen zusammenkommen, damit ein Anspruch entsteht.

Erstens: Die Maßnahme ist bewilligt. Übergangsgeld ist keine eigenständige Leistung, es hängt an der beruflichen Reha. Ohne Bewilligung der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben gibt es auch kein Übergangsgeld.

Zweitens: Du kannst die Maßnahme nicht nebenbei machen. Umfasst sie mindestens 15 Wochenstunden, gilt sie als nicht berufsbegleitend. Genau dann greift das Übergangsgeld. Eine Abendweiterbildung neben dem Job fällt nicht darunter.

Drittens: Du hast vorher eingezahlt. Unmittelbar vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit musst du Arbeitsentgelt oder eine Lohnersatzleistung bezogen haben, von der Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt wurden. Auch Krankengeld, Verletztengeld oder Arbeitslosengeld zählen dafür.

Selbstständige und freiwillig Versicherte können Übergangsgeld ebenfalls bekommen, sofern sie in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Bei ihnen zählt das letzte Nettogehalt nicht. Grundlage sind 80 Prozent des Einkommens, für das im letzten Kalenderjahr vor der Maßnahme Beiträge gezahlt wurden.

Wie hoch das Übergangsgeld ausfällt


Die Rechnung läuft in zwei Schritten. Zuerst wird die Berechnungsgrundlage bestimmt: 80 Prozent deines letzten regelmäßigen Bruttoentgelts, gedeckelt auf dein Nettoarbeitsentgelt. Aus dieser Grundlage ergibt sich dann der Zahlbetrag.

Er beträgt 68 Prozent für die meisten Versicherten und 75 Prozent, wenn du ein Kind mit Kindergeldanspruch hast, ein Stiefkind im Haushalt lebt oder in der Partnerschaft Pflegebedürftigkeit besteht. Das steht in § 66 Abs. 1 SGB IX und gilt für medizinische und berufliche Reha gleichermaßen.

Jetzt kommt der Punkt, der bei einer beruflichen Reha oft entscheidet. Bei vielen liegt zwischen der letzten Beschäftigung und dem Antrag eine lange Krankheitsphase. Liegt das Ende deiner letzten Beschäftigung mehr als drei Jahre zurück, wird nicht mehr dein altes Gehalt herangezogen. Stattdessen setzt die Rentenversicherung ein fiktives Arbeitsentgelt an, das sich nach deiner höchsten nachgewiesenen Qualifikation richtet (§ 68 SGB IX). Grundlage ist die jährliche Bezugsgröße, die 2026 bei 47.460 Euro liegt. Je nach Qualifikationsgruppe wird sie durch einen festen Wert geteilt, davon zählen 65 Prozent als Berechnungsgrundlage.

Praktisch heißt das: Wer gut verdient hat und schnell in die Maßnahme kommt, fährt mit der Berechnung aus dem alten Gehalt besser. Wer lange krank war, landet beim fiktiven Entgelt. Und wer eine höhere Qualifikation nachweisen kann, steht dabei besser da als jemand ohne Berufsabschluss. Die Rechenwege, die Qualifikationsstufen und ein Beispiel stehen unter Übergangsgeld Höhe.

Wer zahlt


Zuständig ist in den meisten Fällen die Deutsche Rentenversicherung. Zwei Ausnahmen sind wichtig: Geht die Einschränkung auf einen Arbeitsunfall, einen Wegeunfall oder eine Berufskrankheit zurück, zahlt die gesetzliche Unfallversicherung. Erfüllst du die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen bei der Rentenversicherung nicht, kann die Agentur für Arbeit einspringen.

Du musst das nicht vorher klären. Stelle den Antrag bei einem Träger. Hält der sich für unzuständig, leitet er ihn innerhalb von zwei Wochen weiter. Diese Weiterleitungspflicht ist in § 14 SGB IX geregelt und existiert genau deshalb, damit niemand zwischen den Trägern zerrieben wird.

Wie lange gezahlt wird


Übergangsgeld wird für die Dauer der Maßnahme gezahlt, also vom Beginn bis zum Ende deiner Umschulung oder Weiterbildung. Bei einer zweijährigen Umschulung heißt das: zwei Jahre lang, durchgehend, auch in den Ferien.

Zwei Verlängerungen sind möglich. Steigst du im Anschluss stufenweise wieder in den Beruf ein, läuft die Zahlung weiter, bis du dein ursprüngliches Stundenpensum erreichst. Und findest du direkt nach der Maßnahme keine Stelle, kann das Übergangsgeld für eine Übergangszeit weitergezahlt werden, dann allerdings mit niedrigeren Sätzen von 67 beziehungsweise 60 Prozent (§ 71 SGB IX).

Was bei mir den Unterschied gemacht hat


Bei mir lag zwischen der letzten Schicht in der Stahlindustrie und dem Beginn der Umschulung keine drei Jahre. Was in dieser Zeit finanziell lief und wie knapp die Frist des Krankengeldes dabei war, steht in meinem Erfahrungsbericht über die Zeit vor der Bewilligung. Die Berechnung lief deshalb über mein altes Gehalt, nicht über das fiktive Arbeitsentgelt. Rückblickend war das der finanziell entscheidende Umstand, und er war reines Timing.

Was ich damals nicht wusste: Ich hatte die Meisterschule abgeschlossen. Für die Qualifikationsgruppen bedeutet das die zweite von vier Stufen, deutlich über der Einstufung ohne Berufsabschluss. Wer einen solchen Nachweis hat, sollte ihn dem Antrag beilegen, auch wenn er im alten Beruf nie gebraucht wurde. Er kann den Unterschied zwischen zwei Berechnungswegen ausmachen.

Der dritte Punkt betrifft das Geld selbst. Es kommt nicht automatisch mit der Bewilligung der Maßnahme. Erklärt wird es über ein eigenes Formular, die G0532. Wer sie übersieht, wartet später auf Geld, das nie beantragt wurde. Welche Formulare zusammengehören, steht unter Übergangsgeld beantragen. Wie die Entscheidung zwischen Rente und Neuanfang bei mir zustande kam, steht in meinem Erfahrungsbericht zur Reihenfolge, die der Träger vorgibt.

Matthias Skaletz

Geschrieben von Matthias Skaletz

2017 hat ein Bandscheibenvorfall meinen Beruf in der Stahlindustrie beendet, nach 15 Jahren, zwölf davon direkt an der Anlage. Danach kamen drei Monate Reha-Vorbereitung im Berufsförderungswerk Oberhausen und eine von der Rentenversicherung finanzierte Umschulung zum Informatikkaufmann, die ich betrieblich gemacht habe. Heute arbeite ich im Projektmanagement. Was mir damals gefehlt hat, schreibe ich hier auf. Mehr über mich.

Häufige Fragen zum Übergangsgeld


Wer hat Anspruch auf Übergangsgeld?

Wer eine bewilligte berufliche Reha macht, sie nicht berufsbegleitend absolvieren kann (mindestens 15 Wochenstunden) und vor Beginn Arbeitsentgelt oder eine Lohnersatzleistung bezogen hat, von der Beiträge zur Rentenversicherung flossen. Krankengeld, Verletztengeld und Arbeitslosengeld zählen mit.

Wie hoch ist das Übergangsgeld?

68 Prozent der Berechnungsgrundlage, mit Kind mit Kindergeldanspruch 75 Prozent. Die Berechnungsgrundlage sind 80 Prozent des letzten Bruttoentgelts, höchstens das Nettoarbeitsentgelt. Liegt die letzte Beschäftigung über drei Jahre zurück, wird ein fiktives Arbeitsentgelt nach Qualifikation angesetzt.

Wer zahlt das Übergangsgeld?

Meist die Deutsche Rentenversicherung. Bei Arbeitsunfall oder Berufskrankheit die gesetzliche Unfallversicherung, sonst gegebenenfalls die Agentur für Arbeit. Den Antrag stellst du bei einem Träger, er wird bei Unzuständigkeit innerhalb von zwei Wochen weitergeleitet.

Wie lange wird Übergangsgeld gezahlt?

Für die gesamte Dauer der bewilligten Maßnahme, bei einer Umschulung also in der Regel zwei Jahre. Bei stufenweiser Wiedereingliederung läuft es weiter, bis das ursprüngliche Stundenpensum erreicht ist.

Muss ich Übergangsgeld versteuern?

Es ist steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Es erhöht also den Steuersatz auf deine übrigen Einkünfte im selben Jahr. Wer im Bezugsjahr noch anderes Einkommen hatte, sollte mit einer Nachzahlung rechnen und eine Steuererklärung abgeben.

Diese Seite gibt den Stand 2026 wieder und ersetzt keine Beratung. Über deinen Fall entscheidet dein Träger. Die verlässlichste Auskunft bekommst du bei der Reha-Beratung der Deutschen Rentenversicherung unter der kostenlosen Rufnummer 0800 1000 4800, oder bei einem Sozialverband wie VdK oder SoVD.

Wie das Übergangsgeld in den größeren Ablauf gehört, steht auf der Startseite zur beruflichen Reha.

Berufliche Reha, Übergangsgeld und Umschulung

Ich bin Matthias. 2017 hat mir ein Bandscheibenvorfall den Beruf genommen. Hier stehen die Anträge, Fristen und Träger, die auf dem Weg zurück ins Arbeitsleben eine Rolle spielen.

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